Zündstoff für Geschwisterrivalität - Wissenschaftler fanden heraus: Das Zweitgeborene entwickelt eher kriminelle Energie

Eine aktuelle Studie kam zu dem Ergebnis, dass jüngere Geschwisterkinder eher dazu tendieren, Ärger in der Schule zu bekommen oder später im Leben in Konflikte mit dem Gesetz zu geraten: Eine Erkenntnis, die sich für Erstgeborene erfreulicher anhört.

Der Zusammenhang von Geburtszeitpunkt und Kriminalität

Warum also wirkt sich der Geburtsrang auf die Wahrscheinlichkeit aus, in kriminalistischer Hinsicht auffällig zu werden? Die Autoren der Studie stellen die folgende Hypothese auf. Demnach erhielten Zweitgeborene weniger Aufmerksamkeit von ihren Eltern. Diese seien ermüdet, ihr Blick richte sich nicht mehr mit derselben Wachheit auf den Zögling.

Manche jüngere Geschwister fühlten sich vernachlässigt. Aus Sehnsucht nach Zuneigung spielten sie sich auf, um den Fokus auf sich zu lenken. Die Autoren fanden außerdem heraus, dass Eltern sich für das erste Kind eher frei nehmen von der Erwerbsarbeit. Für das zweite Kind ließen sie sich vergleichsweise weniger Elternzeit. Zwei jüngere Geschwister konkurrierten gemäß dieser These nicht nur gegen das Erstgeborene, sondern zudem gegen die Karriere und andere Pflichten.

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Fakt ist, dass dem ersten Kind die ungeteilte Aufmerksamkeit der Eltern zukommt, sofern diese nicht auf Arbeit sind, im Haushalt arbeiten oder sich sonst wie anderweitig beschäftigen, sondern sich dem Kind widmen. Bei den jüngeren Geschwistern sieht es schon anders aus. Nun sind es bereits zwei Kinder, auf die sich die Zuneigung der Eltern während der Familienzeit aufteilen muss.

Verwandtes Thema: Warum Erstgeborene klüger sind als ihre Geschwister

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Forscher des MIT, des Nordwestens und der Universität von Florida (sowie einige andere) folgten tausenden Brüdern in Europa und dem Staate Florida - in zwei ähnlichen Kulturen also, die aber nicht nur geographische Unterschiede aufweisen.

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Darüber hinaus sagten die Autoren der Studie aus, dass Zweitgeborene eher auffällig würden, weil sie ihre älteren Geschwister bewunderten, ihnen nacheifern und ihnen imponieren wollten. Wohingegen Erstgeborene sich weniger an den eigenen jüngeren Geschwisterkindern, sondern eher an Erwachsenen orientierten. Sie suchten sich ihre Vorbilder ebenfalls in höheren Altersklassen, aber eben weniger innerhalb der Familie als in der Welt.

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In anderen Worten: Das älteste Kind verbringt mehr Zeit in der Nähe von Erwachsenen, während es sich entwickelt. Dies führt dazu, dass es schneller reife Verhaltensweisen übernimmt und sich verständiger in die Welt der Erwachsenen einfügt, während das jüngere unfreiwillig aneckt und durch unpassende Angewohnheiten Unmut erregt.

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Das Zweitgeborene, auf der anderen Seite, beobachtet und imitiert eher Kleinkinder oder Schulkinder. Diese verhalten sich grundsätzlich eher egozentrisch, unüberlegt, triebgesteuert und impulsiv.

Es überrascht nicht, dass frühere Studien einen Intelligenzvorsprung älterer Kinder gegenüber den jüngeren belegen. Der Grund liegt auf der Hand: Eltern verbringen natürlicherweise mehr Zeit alleine mit ihrem erstgeborenen Kind und schenken ihm ungeteilte Aufmerksamkeit.

Verlieren Eltern ihren Enthusiasmus nach dem ersten Kind?

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Viele Eltern in der Studie gaben zu, dass sie weniger enthusiastisch waren als es darum ging, sich in Tätigkeiten mit dem zweiten Kind zu involvieren. Um welche bereichernden Aktivitäten es sich handelt, fragst du? Na ja, Gute-Nach-Geschichten, bauen, experimentieren, Rollenspiele, verkleiden, Handarbeiten, Musikinstrumente spielen, malen, basteln - exakt solche Beschäftigungen, welche die Intelligenz schulen und die geistigen Fähigkeiten fördern.

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Darauf basierend gaben Mütter zu, während nachfolgender Schwangerschaften das strenge Regiment der ersten Schwangerschaft zu lockern. In anderen Worten hätten sie es sich gestattet, kulinarischen Gelüsten nachzugeben, Alkohol zu trinken und Zigaretten zu rauchen. Diese Entscheidungen könnten ebenfalls dazu beitragen, dass den so geborenen Kindern weniger Lebenschancen offen stehen.

Doch bevor wir in Panik verfallen, gibt es jetzt ein paar gute Nachrichten.

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Der Korrespondent der sozialen Wissenschaften des nationalen öffentlichen Radiosenders mit Schwerpunkt auf der Erforschung menschlichen Verhaltens Shankar Vedantam versicherte den Zuhörern, dass die Gerüchte über das Straffälligkeitsrisiko von Zweitgeborenen keinen Anlass zur Sorge böten. Selbst wenn Studien zeigen, dass Zuwachsraten in der Wahrscheinlichkeit für armseliges Verhalten, Entscheidungen und Konsequenzen bei 25 bis 40 % liegen, bleiben die Zahlen in einem übersichtlichen Bereich.

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Allein eine Minderheit von Kindern, also etwa eines von zehn oder zwanzig, verfängt sich in ernsthaften Schwierigkeiten. Aber Doyle, der Autor der Studie sagt, dass unter diesen Kindern die Unterschiede zwischen den Erst- und Zweitgeborenen signifikant sind.

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Was denkst du? Meinst du, dass das ältere das jüngere Kind beeinflusst, riskantere Entscheidungen zu treffen? Machst du dir manchmal Sorgen, dass dein Zweitgeborenes nicht so viel Aufmerksamkeit erhält wie dein erstes Kind? Ist dir schon aufgefallen, dass dein jüngeres Kind eher rebelliert und Unfug treibt als dein Älteres?