Wie die Geburtsreihenfolge deine Persönlichkeit beeinflusst


So gilt das Nesthäckchen als verwöhnt und ehrgeizig, während das älteste Kind als verantwortungsvoll und herrisch beschrieben wird. Einzelkinder hingegen gelten oft als egoistisch und introvertiert. Auch im beruflichen Bereich sollen Kinder je nach Geburtenreihenfolge unterschiedliche Karrieren einschlagen.

Ältere Geschwister findet man angeblich häufig in Führungspositionen, jüngere hingegen werden Künstler oder Sportler. Kinder ohne Geschwister, so sagt man, streben oft eine akademische Karriere an. Aber stimmt das wirklich oder sind das nur Klischees? Gibt es wissenschaftliche Belege oder Untersuchungen, die zeigen, dass ein Kind, je nachdem, wann es in die Familie hineingeboren wurde, unterschiedliche Charakterzüge entwickelt?

Und wenn ja: Woran liegt das? Liegen ihnen ihre Verhaltensweisen tatsächlich im Blut, oder ist hier eher die Erziehung der Eltern schuld? Oder ist die Kombination aus vielen verschiedenen Faktoren entscheidend für die Entwicklung der Persönlichkeit? Diese Fragen möchten wir in diesem Beitrag beantworten.

shutterstock

Der Geburtsreihenfolge-Effekt wurde erstmals in den späten 1920er Jahren von Alfred Adler beschrieben, ein Freund und Kollege Siegmund Freuds. Adler glaubte, dass die Reihenfolge, in der man in eine Familie geboren wird, die Persönlichkeit formt.

shutterstock

Das erstgeborene (älteste) Kind: Nach Adler ist das älteste Kind eher konservativ, machtorientiert und bereit dazu, die Führung zu übernehmen. Weil sie Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister übernehmen, wachsen Erstgeborenen oft zu fürsorglicheren, toleranteren Eltern heran, die sich nicht davor scheuen, die Initiative zu ergreifen.

shutterstock

Das zweite (mittlere) Kind: Da der ältere Bruder oder die ältere Schwester „das Tempo bestimmt", tendieren Zweitgeborene dazu, ihre älteren Geschwister übertreffen zu wollen. Sie entwickeln sich schneller und sind oft auch ehrgeizig, ohne dabei allerdings egoistisch sein. Mittlere Kinder neigen auch eher dazu, sich unangemessen hohe Ziele zu setzen. Dadurch erfahren sie mehr Misserfolge, lernen aber auch, mit Schwierigkeiten im Leben umzugehen.

shutterstock

Das letztgeboren (jüngste) Kind: In der Regel erhält das jüngste Kind von den Eltern und auch den Geschwistern besonders viel Aufmerksamkeit. Darum fühlen sich Letztgeborene manchmal weniger unabhängig. Sie sind jedoch meist hoch motiviert, ihre älteren Brüder und Schwestern zu übertreffen. Oft erzielen sie große Erfolge und bringen es zu Anerkennung in ihrem Bereich. Letztgeborene werden die schnellsten Athleten, die besten Musiker oder die talentiertesten Künstler. Die jüngster Kinder einer Familie sind gesellige Menschen, die aber auch unverantwortlicher und frivol sein können.

shutterstock

Das Einzelkind: Ohne Geschwister, mit denen sie sich messen können, konkurrieren Einzelkinder oft mit ihren Vätern. Sie bekommen von ihren Eltern übermäßig viel Aufmerksamkeit und erwarten deshalb, auch von anderen verhätschelt zu werden. Oft sind sie abhängig und selbstbezogen, und nehmen diese Eigenschaften meist auch ins Erwachsenenleben mit. Einzelkindern fällt es oft schwer, mit Gleichaltrigen zu interagieren. Viele Kinder, die keine Geschwister haben, entwickeln sich zu Perfektionisten.