Wenn Kleinkindern der "Kleine Unterschied" auffällt


"Mama, was ist Sex?", "Wann kriegt Papa einen so dicken Bauch und ein Kind?" Derartige Fragen werden genau dann lautstark an die Eltern gerichtet, wenn ausnahmsweise mal der Chef eingeladen wurde oder spontan ein alter Bekannter auftaucht, den wir seit 20 Jahren nicht gesehen haben. Sexualität ist ein ausgesprochen interessantes Thema, finden auch schon Kinder ab drei Jahre. Eine besonders beliebte Initialzündung für diese Art Fragen ist die langsam unverkennbare (erneute) Schwangerschaft der Mutter.

Zwar neigen manche Eltern zu der Bequemlichkeit, die Aufklärung der Schule oder im Extremfall sogar dem Internet zu überlassen, aber im realen Leben stellen unsere Kinder diese Fragen schon viel früher und erwarten von uns eine ehrliche Antwort, die wir ihnen nicht schuldig bleiben sollten.

Was sollte mein Kind unter Berücksichtigung seines Alters über Sexualität wissen?

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Tief reichendes, absolutes Vertrauen des Kindes zu seinen Eltern ist kein genetischer Automatismus, sondern kann nur durch "harte Arbeit" langsam und nachhaltig aufgebaut werden. Ein wichtiges Element dieser Arbeit ist die Zuwendung in der Form, dass wir uns immer Zeit nehmen für unser Kind und es, ebenso wie jede seiner Fragen, ernst nehmen. Das Kind soll sich stets sicher sein, dass wir bereitwillig und kompetent seine Fragen beantworten, dann ist es auch leicht möglich, das Kind eine gewisse Zeit lang zu vertrösten, wenn das Gespräch darüber in diesem Moment gerade unpassend ist. Vertrauen ist hier ein Schlüsselbegriff.

Der Kindergarten ist so ein typischer Ort, wo die Kinder über ihre kleinen Unterschiede zu rätseln beginnen, nachdem sie stolz ihre Genitalien gegenseitig "öffentlich" zur Schau gestellt haben. Es ist auch jener Hort der berühmt-berüchtigten "Doktorspiele". Bei unseren Erklärungen, die den Fragen der Kinder folgen, sollten Penis und Scheide auch seriös als solche bezeichnet werden und nicht verniedlichend auf Schnie­del­wutz und Muschi degradiert werden.

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Bitte bedenken Sie, dass ein unaufgeklärtes Kind in der Schule oftmals einen Spießrutenlauf durchmachen muss, wenn alle anderen Kinder sich dann über den "ahnungslosen Dummkopf" ziemlich grausam lustig machen. Es gibt übrigens eine ganze Reihe recht guter altersgerechter Bilderbücher, die sich dieses Themas annehmen.

Es liegt durchaus in der Verantwortung der Eltern beispielsweise ihr zehnjähriges Kind einmal konkret danach zu fragen, was es über die Fortpflanzung des Menschen überhaupt weiß. Dabei können nämlich recht abstruse Erklärungen zutage treten, die wir unbedingt gerade rücken müssen.

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Manche Mädchen, die gerade in die Pubertät kommen, bemerken ihren sogenannten Weißfluss und erschrecken darüber in der Angst, eine Krankheit zu haben. Dies führt manchmal zu eigenartig heimlichem Verhalten, zum Beispiel dazu, dass das Mädchen hastig sein Höschen auswäscht, damit Mama nichts merkt. Aber natürlich bemerkt eine Mutter solches Verhalten bei ihrer Tochter, höchste Zeit, ein ernstes Gespräch von Frau zu Frau zu führen mit der freudigen Nachricht, dass sich der kindliche Körper jetzt auf seine Regelblutung einstimmt.

Das natürlicherweise aufkommende Interesse am anderen Geschlecht ist jetzt nicht mehr aufzuhalten, und das sollen Eltern auch auf keinen Fall zu begrenzen versuchen. Pubertierende Kinder saugen jede (mediale) Information über Sexualität auf wie ein Schwamm, allein, was ihnen ihre Eltern dazu zu sagen haben, erleben sie eher als peinlich, was die Eltern zuweilen etwas traurig macht und auch enttäuscht, befinden sie sich doch in einem Dilemma: Die Kinder sind jetzt biologisch fortpflanzungsfähig, aber sind sie sich auch über die Konsequenzen im Klaren? Haben sie im Aufklärungsunterricht in der Schule wirklich alles über Empfängnisverhütung gelernt, was sie jetzt im praktischen Leben wissen sollten?

Wie Eltern wieder Zugang zu ihren pubertierenden Kindern finden können

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Es sind ausgerechnet die Gefahren, die mit der Sexualität verknüpft sind, die den Eltern ein Vehikel sein können, um mit ihren Kindern ernsthaft über Sexualität sprechen zu können. Geschlechtskrankheiten, AIDS, Hepatitis sind sehr ernst zu nehmende gesundheitliche Bedrohungen, von deren Existenz viele Jugendliche wissen, die bei Jugendlichen auch Ängste schüren. Wer hier in der Lage ist, seinem Kind kompetent Auskunft zu geben, kann nur gewinnen.

Eltern neigen dazu, den "festen Freund" ihrer 15-jährigen Tochter etwas zu belächeln und befürchten zugleich, dass da mal "etwas passieren" könnte. Auf der anderen Seite ist eine lang anhaltende Freundschaft unter Jugendlichen gerade heute sehr viel wünschenswerter als mehrere Partnerwechsel in zu kurzer Zeit.