Was passiert, wenn Jungen und Mädchen drei Jahre lang getrennt zur Schule gehen?


Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen, zwischen Jungen und Mädchen, sind ohne Zweifel groß. Schon früh entwickeln sich die beiden Geschlechter auseinander und verfolgen unterschiedliche Aktivitäten und Ziele. Sicher ist auch der Einfluss der Gesellschaft auf diese klassischen Geschlechterrollen nicht zu unterschätzen. Bereits im Kindergarten beginnen Jungen und Mädchen, unterschiedliche Spiele zu spielen und sogar verschieden zu denken. Dennoch durchlaufen sie die gleiche schulische Ausbildung. Genau aus diesem Grund aber leiteten einige Schulen in Russland ein ungewöhnliches Experiment.

Dieser Artikel stellt dir dieses interessante Projekt und seine Resultate vor. Schule Nummer 34 in Kamensk-Uralski teilte erste Ergebnisse des Experiments mit, das im Jahre 2014 begann. Die am Projekt teilnehmenden Lehrer sind davon überzeugt, dass diese Schulform besser ist und auch den Kindern zugutekommt. Das Experiment sieht folgendermaßen aus: Jungen und Mädchen werden getrennt voneinander unterrichtet, können aber gemeinsam an sozialen Aktivitäten teilnehmen, da diese ausdrücklich die Geschlechter mischen.

Eine Aufhebung der Trennung

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Auch während der Pausen, in der Cafeteria, bei Schulausflügen oder bei außerschulischen Aktivitäten wird diese Trennung aufgehoben, sodass beide Geschlechter miteinander kommunizieren und interagieren können. Nach Abschluss der Grundschule werden die Klassen zusammengelegt. Auf diese Weise verlagert sich die Kommunikation zwischen den Geschlechtern von der Social-Media- in eine reale Sphäre.

Eine entscheidende Etappe

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Während der Zeit des Gymnasiums soll dann Gelegenheit bestehen, enge Freundschaften zu knüpfen. In diesem Alter treffen die Kinder wichtige Entscheidungen und entwickeln eine eigene Persönlichkeit. Klassen, die alleinig aus Jungen bestehen, legen den Fokus vor allem auf sportliche Aktivitäten, wie beispielsweise beim Hockey. Aus diesem Grund unterrichten auch vorwiegend männliche Lehrer, um den Schülern eine Vorbildfunktion zu bieten.

Unterschiede im Unterricht

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Die Lehrer bringen den Schülern die Grundlagen der Ersten Hilfe bei oder sind Sportlehrer sowie -trainer. Hier einen männlichen Schulleiter zu finden, dürfte sich als schwierig gestalten. Mädchen hingegen erhalten Unterricht in Tanzchoreografien und Handarbeit. So sollen die traditionellen Geschlechterrollen gefördert werden, gleichzeitig aber auch ein angemessener Unterricht angeboten werden.

Ablenkung zwischen den Geschlechtern

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Mädchen und Jungen lenken sich gegenseitig vom Unterricht ab. Davon sind Psychologen überzeugt. Wenn auch nur jeweils ein Schüler des anderen Geschlechts im Unterricht anwesend ist, werden beide Lager versuchen, sich gegenseitig zu beeindrucken. Dies kann sogar gänzlich unterbewusst geschehen. So werden die Gruppen vom Unterricht abgelenkt, was den Lehrauftrag letztendlich scheitern lässt.

Eine Gefahr für die Maskulinität

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Sowohl Eltern als auch Wissenschaftler sind sich der Tatsache bewusst, dass junge Schüler den Mädchen in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung etwa zwei bis drei Jahre hinterherhinken. Ihre linke Gehirnhälfte reift langsamer heran. So haben Mädchen einen Vorteil in herkömmlichen Schulsystemen. Auf diese Weise kann sich sogar ein Minderwertigkeitskomplex in den Köpfen der Jungen festsetzen, der letztendlich in Aggressionen gegenüber den Mitschülern resultiert.

Jungen probieren sich aus

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Jungen neigen dazu, Risiken einzugehen, da sie so ihre Willensstärke und Eigenständigkeit testen. Indem sie solche Entscheidungen für sich selbst treffen, erkunden sie die eigenen Grenzen und fühlen sich wie Helden. Wie aber soll sich ein solches Selbstbewusstsein entwickeln, wenn Jungen ständig dazu angehalten werden, still zu sein und vorgefertigte Antworten zu wiederholen?

Mädchen bevorzugen Details und klare Vorgaben

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Wenn die Schulklassen nach Geschlecht getrennt sind, erleichtert dies den Lehrern, die einzelnen psychologischen Umstände der beiden Gruppen zu berücksichtigen. Mädchen legen eher ein schüchternes, zurückhaltendes und genaues Lernverhalten an den Tag. Sie achten auf Details und lösen Aufgaben meist schnell und zuverlässig. Die Vorgaben einzuhalten, kann ihnen jedoch oftmals schwerfallen, wenn sie sich in einer Klasse mit zahlreichen Jungen befinden. Dies hängt mit ihrer Schüchternheit zusammen.

Jungen gehen ihren eigenen Weg

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Jungen lernen Lektionen am besten für sich selbst. Sie erfüllen Aufgaben nicht Schritt für Schritt, sondern suchen die Lösung nach eigenen Methoden. Jede neue Herausforderung ist für sie ein Abenteuer, da sie für jede Vorgabe des Lehrers eigene Regeln aufstellen. Sie gehen Aufgaben mit größerer Emotionalität und Kreativität an.

Mädchen arbeiten gerne in Gruppen

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In den Klassen des Experiments erwiesen sich Mädchen als begabt darin, Aufgaben in Gruppen zu lösen. In diesen machen sie Rollen aus, besprechen die Übung und finden die Lösung gemeinsam. Dabei verhielten sie sich jedoch schüchtern und unentschlossen, selbst wenn sie die Antwort bereits kannten. Lehrer stellten fest, dass Mädchen deshalb stets gelobt werden sollten, selbst wenn sie Fehler machen.

Jungen nehmen eine Führungsrolle ein

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Jungen hingegen scheuen sich nicht, ihre Meinung kundzutun, selbst wenn sie dafür gegen Normen verstoßen mussten. Während des Experiments verhielten sie sich dennoch nicht aggressiv, sondern nahezu würdevoll. In gemischten Klassen hingegen wollen sie Mädchen beeindrucken und streiten daher untereinander.

Größerer Respekt für die Lehrer

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In getrennten Klassen verbünden sich Mädchen eher, Jungen neigen weniger dazu, sich zu streiten. Auch wenn es manchmal mehrere Versuche erfordert, so wird die Lehrkraft bald die Zuwendung der Schüler erlangen. Beispielsweise vergaß ein Lehrer, die Jungen daran zu erinnern, den Klassenraum sauberzumachen. Am nächsten Morgen hatten die Schüler den Raum von selbst gesäubert und begründeten dies damit, doch bereits fast erwachsen zu sein.

Verbesserte geistige Verfassung und Gesundheit

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Nicht nur die geistige Verfassung, sondern auch der gesundheitliche Zustand der Schüler verbesserte sich durch das Experiment. Jungen saßen nicht mehr krumm da und auch die Wahrscheinlichkeit von Erkrankungen sank. In gemischten Schulklassen verloren die Schüler innerhalb des ersten halben Jahres an Gewicht. Dies wird durch den Stress und die Anpassung an die neuen Umstände erklärt. In getrennten Klassen konnte dieses Phänomen hingegen nicht beobachtet werden.

Verbesserte Noten

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Jungen und Mädchen interessieren sich für verschiedene Dingen. Liest man ihnen ein Märchen vor, beeindrucken sie unterschiedliche Aspekte. So ist es einem Lehrer unmöglich, die Aufmerksamkeit beider Geschlechter bzw. aller Schüler zu gewinnen. Deshalb versuchen sie, diese mithilfe der Durchsetzung von Disziplin und Gehorsam zu erlangen. Sind Schüler jedoch von sich aus aufmerksam, lernen sie effektiver und erhalten bessere Noten.

Ein erfolgreiches Experiment, mit Einschränkungen

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Mit dem Experiment werden sowohl positive als auch negative Stimmen in Verbindung gebracht. Kritiker sehen die Geschlechtertrennung als einen Rückschritt. Der Schulleiter des Experiments hingegen deutet auf den Anstieg der Anzahl schwangerer Schülerinnen, was er in übermäßigen Aktivitäten zwischen den Geschlechtern begründet sieht. Er ist aufgrund steigender Schwangerschaftsraten in ganz Russland besorgt.

Stimmen der Öffentlichkeit

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Manche Stimmen behaupten, das Experiment sei der erste Schritt zum Rassismus und einer Segregation aufgrund körperlicher und geistiger Eigenschaften. Außerdem begünstigten rein männliche Klassen ein Umfeld, in dem Wahnsinnige herangezüchtet würden.

Der Praxis halten diese Argumente bislang jedoch nicht stand. Vielmehr resultierte das Experiment in gesenkten Aggressionsraten und verbesserter Kommunikation zwischen den Schülern, egal ob es sich dabei um Jungen oder Mädchen handelt.

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