Regretting Motherhood - das neue Leid der Mütter?


Im Jahr 2015 sorgte die israelische Soziologin Orna Donath mit einer Studie weltweit für Aufmerksamkeit. Sie veröffentlichte diese unter dem Titel "Regretting Motherhood", dem Bedauern der Mutterschaft - und befragte dazu Frauen aus verschiedenen sozialen Schichten und Religionen. Sie alle liebten ihre Kinder, nicht aber das Muttersein.

Vom Kinderwunsch zum Babyglück

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Kinder sind unsere Zukunft, sie machen eine Familie aus und gehören für viele Menschen einfach zu einem erfüllten Leben dazu. Ganz egal, ob es sich um ein geplantes Wunschkind oder aber um eine ungeplante Schwangerschaft handelt - am Ende steht die Freude über einen neuen Erdenbürger. Dieses Glück jedoch kann getrübt werden. Oftmals reagiert der Hormonhaushalt einer frischgebackenen Mutter postnatal mit der sogenannten Wochenbettdepression. Diese spezielle Art der Depression kann von wenigen Tagen bis hin zu mehreren Monaten andauern. Im Regelfall ist sie nur psychologisch, nicht aber medikamentös therapiebedürftig.

Erwartung und Wirklichkeit

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Ein Kind stellt das komplette Leben seiner Eltern auf den Kopf. Es verlangt Zeit und Aufmerksamkeit, Liebe und Verständnis. Die Prioritäten der Eltern, insbesondere der Mutter verschieben sich und ja, sie muss insbesondere in den ersten Lebensmonaten des Kindes auf vieles verzichten, entscheidet sie sich gegen eine Fremdbetreuung. Es ist ein fataler Irrglaube anzunehmen, ein Kind können einfach so in das bisherige Leben integriert werden. Dagegen sprechen schlicht die kindlichen Bedürfnisse und somit die Vernunft. Ein Kind erfordert Flexibilität, Zugeständnisse und ab und an eben auch Verzicht. Für all das belohnt es seine Eltern mit seinem Dasein, seiner puren Existenz und seiner schier unerschütterlichen Liebe und Zuneigung.

Maximale Lebensgier und Superlativen

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Konfrontiert mit einer Gesellschaft, deren vermeintliches Ziel die absolute Selbstverwirklichung ist, fällt es manchen Müttern schwer, sich von diesen Gedanken zu befreien. Sie verinnerlichen den Anspruch einer egomanen Spaßgesellschaft und empfinden jegliche Einschränkungen des eigenen Lebens als persönlichen Affront. Derlei extreme Konditionierung verhindert somit erfolgreich die bekennende Elternliebe. Sie macht es den Müttern schwer bis unmöglich, sich mit ihrer neuen Situation zu arrangieren, ihr Glück zu erkennen, vor allem aber eine gesunde Balance zu finden.

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Nachhaltige Abhilfe kann eine psychotherapeutische Hilfe, beispielsweise durch eine kognitive Verhaltenstherapie schaffen. In Gesprächen mit einem erfahrenen Psychotherapeuten lassen sich manifestierte ungesunde Muster erkennen und entsprechend klären. Ein Großteil der "bereuenden Mütter" profitieren davon enorm, denn die Therapie entreißt sie dem meist gänzlich irrationalen Druck, den sie durch eine überzogene Erwartungshaltung selbst auf sich ausüben. Sie lernen zuzulassen, aber auch ihre Wünsche klarer zu definieren, zu formulieren und letztlich in einem gesunden Maß umsetzen. Zum Wohl des Kindes und vor allem zum Wohlbefinden der Mutter in ihrer Rolle.