Kleiner Piks oder hohes Gesundheitsrisiko? - Wie wichtig sind Impfungen für Kinder?


Viele Eltern fühlen sich unsicher, wenn es darum geht, das Kind impfen zu lassen. Die einen behaupten, die Impfung wäre nur ein kleiner Piks und würde die Ausbreitung von Krankheiten verhindern. Andere meinen, die Nebenwirkungen wären viel zu hoch. Welche Meinung ist richtig und wann sollte das Kind geimpft werden?

Viele Erkrankungen in Deutschland erst durch Vorsorgeimpfungen ausgerottet

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Bis vor einigen Jahrzehnten zählten Krankheiten wie die Kinderlähmung und die Diphtherie zu den Volkskrankheiten, die viele tausend Menschen jährlich krank machten und sogar zum Tode führten. Dank gezielter Vorsorgeimpfungen konnten sie hierzulande ausgerottet werden. Nun stellt sich für Eltern die Frage, warum sie das Kind dann noch impfen lassen sollten. Selbst wenn die Erreger aktuell in Deutschland so gut wie gar nicht mehr vorzufinden sind, können sie jederzeit wieder ins Land geschleppt werden: von Urlaubern, Menschen, die beruflich weltweit unterwegs sind oder von Flüchtlingen. Treten die Krankheiten erst einmal auf, können sie sich wie Seuchen verbreiten. Dies zeigte unter anderem die Polio-Epidemie in Nigeria im Jahr 2003. Zuvor galt das Land jahrelang als poliofrei. Kritiker von Präventionsimpfungen versuchen immer wieder, diese Fakten zu verschleiern. Dabei sprechen sie für einen aktuellen Impfstatus beim Kind und auch beim Erwachsenen.

Impfen erst, wenn die Krankheit ausbricht?

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Ebenfalls hört oder liest man häufig den Rat, das Kind erst impfen zu lassen, wenn eine Krankheit auftritt. Das ist keine gute Idee. Schließlich braucht es eine gewisse Zeit, bis die Schutzwirkung nach dem Impfen eintritt. Außerdem müssten bei dieser Variante des Impfens innerhalb kürzester Zeit Unmengen von Impfstoffen zur Verfügung stehen und Massenimpfungen stattfinden. Und nicht zuletzt ist es so, dass für die Immunität gegen einige Erkrankungen Mehrfachimpfungen durchgeführt werden müssen. Sonst besteht gegen sie kein ausreichender Schutz. Aus diesem Grunde machen die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) Sinn.

Das Kind so früh wie möglich impfen?

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In den ersten Lebenswochen spricht man bei Kindern von einem Nestschutz. Das ist die Immunität gegen Krankheitserreger, die dem Baby von der Mutter mitgegeben wird. Wenn in dieser Phase die erste Impfung erfolgt, ist mit entsprechend wenig Nebenwirkungen zu rechnen. Selbst das erst unvollständig ausgeprägte Immunsystem des Babys ist gegen die schwache Dosierung der Krankheitskeime geschützt. Kritiker allerdings meinen, dass in diesem Fall das Impfen unsinnig sei. Tatsächlich können Babys und Kleinkinder auch später geimpft werden. Aber nur, wenn sie zu Hause aufwachsen und nur ein geringer Kontakt zu anderen Menschen gegeben ist. Sonst bestünde ein hohes Risiko der Übertragung von Erregern. Ist das Kind erkrankt, wirken vorbeugende Impfungen nicht mehr. Im übrigen sind Kindertagesstätten und Tagesmütter in vielen Bundesländern gesetzlich dazu angehalten, auf einen aktuellen Impfstatus des Kindes zu bestehen. Sonst darf es nicht aufgenommen werden.

Stimmt es, dass geimpfte Kinder häufiger an Allergien leiden?

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Zu diesem Thema wurden in den letzten Jahren diverse Studien durchgeführt. Unter anderen, weil immer mehr Kinder Allergien entwickeln. Doch ein Zusammenhang mit Präventionsimpfungen konnte nicht nachgewiesen werden, wenngleich es den Anschein hat, dass mehr geimpfte Kinder an Allergien leiden. Man muss allerdings bei der Auswertung berücksichtigen, dass es hierzulande bisher mehr geimpfte als ungeimpfte Kinder gibt. Allergien sind überschießende Reaktionen des Immunsystems auf eigentlich harmlose Substanzen. Einige Menschen neigen mehr zu ihnen, andere weniger. Doch damit es zur Entwicklung einer Allergie kommt, müssen mehrere Faktoren zusammentreffen. Hierbei dürfen beispielsweise Stress, gewisse Ernährungsgewohnheiten, bestimmte Erkrankungen nicht unterschätzt werden. Genauso wenig kann der Hypothese von Impfgegnern gefolgt werden, dass der menschliche Körper nach Impfungen Spätfolgen entwickelt und dass Krankheiten wie Multiple Sklerose, Alzheimer oder andere chronische Erkrankungen ausgelöst werden. Für derartige Behauptungen gibt es keine Beweise. Sie dienen lediglich dazu, Angst in der Bevölkerung zu schüren. Unsichere Eltern sollten sich unbedingt von ihrem Kinderarzt beraten lassen.