Helikopter-Eltern: Wie viel Helikoptern ist gut?


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Die jetzige Elterngeneration liebt ihre Kleinen, gar keine Frage. So groß die Liebe zu den Kindern ist, so groß ist auch der Wunsch, schützend über ihnen zu kreisen. Es gibt dafür ein Wort: Helikoptern. Und dieser Erziehungsstil wird bereits wieder hinterfragt - denn wo bleibt bei aller Liebe die nötige Freiheit für die Kleinen, sich zu entfalten?

Wie wir selber groß geworden sind

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Bis auf einige Ausnahmen haben die meisten von uns in der Kindheit selbst Liebe erfahren, aber auch Alltag und Realismus. Mama war nicht immer da, irgendwann war Mama auch wieder arbeiten. Die Eltern wollten nicht immer auf Abruf mit uns spielen, wir mussten uns manchmal auch langweilen und gelegentlich waren wir bei den Großeltern oder der Tante, wenn die Eltern einen Abend ausgehen wollten. Wir halfen im Haushalt, übernahmen früh kleine Hilfstätigkeiten, ohne ausgenutzt zu werden, und wenn wir uns dabei die Knie aufschürften, war das eben so. Pflaster drauf - fertig! Scheinbar hat das funktioniert, denn erwachsen und gesund sind wir heute alle.

Wenn Helikoptern gut tut

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Jedes Kind durchläuft irgendwann eine schwierige Phase, in der es sich bockig gegen alles wehrt, was die Eltern sagen, obwohl das nur gut gemeint ist. Es hat keine Lust mehr auf die Schule, will sie vielleicht sogar abbrechen. Es will kein Gemüse mehr essen - tage- und wochenlang. Das kann in jedem Alter kommen, aber je älter das Kind wird, desto mehr entzieht es sich natürlich dem Einfluss seiner Eltern. Das ist so lange gut, bis es aber die elterliche "Führung" braucht. Beispielsweise, wenn es offensichtlich davor ist, einen Fehler zu begehen. Eltern entwickeln mit der Zeit ein gutes, intuitives Gespür dafür, wann sie ihr Kind eigentlich auch laufen lassen könnten und wann es an der Zeit ist, den Propeller anzuschmeißen. Sie kennen ihr Kind selbst am besten - und wenn es droht, sich in einer schwierigen Phase seiner Entwicklung zu verlieren, dann braucht es den schützenden Helikopter über sich.

Kinder brauchen Freiheiten

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Ganz einfach war es nie, sich als Kind Freiheiten zu verdienen. Noch schwieriger ist das heute, denn den Eltern wird es vorgelebt, wie wichtig es ist, permanent für das Kind da zu sein - und bei ihm. Die Eltern als emotionale Stütze werden für ein Kind immer wichtig bleiben, doch die Art, wie sie diese annehmen, wird sich verändern, je älter und reifer sie werden. Ein Kleinkind braucht natürlich eine Bezugsperson und einen Beobachter, der darauf achtet, dass ihm im Haushalt nichts passiert und dass es wieder aufsteht, wenn es hinfällt. Allerdings brauchen Kinder auch den Raum, selbst wieder auf die Beine zu kommen, sei es durchs selbständige Aufstehen als Kleinkind oder auch durch die Lösung eines Problems in der Schule auf die eigene Weise als Teenager, aber mit seelischer Unterstützung durch die Eltern. Zum besten Freund des eigenen Kindes werden die Eltern dadurch nicht, schließlich soll das auch gar nicht so sein. Nachlässig werden sie natürlich auch nicht, denn sie helfen ihrem Kind nach wie vor in jeder Situation. Zuerst darf aber das Kind versuchen, selbst im Alltag zurechtzukommen - in dem Wissen, dass es auf die Eltern zukommen darf, wenn es sie braucht.

Helikoptern und das Vertrauensverhältnis

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Die meisten Eltern helikoptern wenn überhaupt, dann nur in Situationen, in denen sie ein ungutes Gefühl dabei haben, das Kind loszulassen. Aber Vorsicht: Helikopter-Eltern gefährden unter Umständen das Vertrauensverhältnis, wenn sie es damit übertreiben. Im Nachhinein werden die Kinder sicher dankbar dafür sein, dass die Eltern immer Interesse an guten Noten in der Schule gezeigt oder beratend zur Seite standen, wenn es Probleme im Freundeskreis gab. Trotz gesundem Helikopter-Parenting sollten aber niemals Grenzen wie der Blick ins Telefon oder ins Tagebuch überschritten werden - denn lieben werden die Kinder die Eltern auch dann noch, aber das Vertrauen wird sich verändern.

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