"Alexa, spioniere mich aus!"

„Alexa, spiel meine Lieblingsmusik!" und „Alexa, wie viel Gramm sind acht Unzen?" sind Sprachbefehle, die auf den ersten Blick recht unscheinbar wirken. Die kleine Lautsprecherbox, welche auf den Namen Alexa hört, macht ebenfalls einen harmlosen und smarten Eindruck. Werbefilme, in denen das Echo-System von Amazon als Unterstützung im Alltag und Haushalt ausschließlich positiv vermarktet wird, zeigen stetig emotionale Momente von glücklichen Familien. Es scheint, als biete Alexa einen neuen Lebensstil in unserer Welt, die voller Komfort, Sicherheit und Organisation ist.

Warum kann dennoch ein hilfreiches Gerät wie dieses von etlichen Journalisten und Datenschützern kritisiert werden? Das heimische Gefühl, was durch Alexa-Werbungen präsentiert wird, ist nämlich gar nicht so persönlich, wie es gerne Kunden Glauben gemacht wird. Vielmehr holt man sich freiwillig gegen Bezahlung bedenkenlos einen Spion in die eigenen vier Wände. Was verbirgt sich hinter Modellen von einem smarten Home und wer profitiert wird von dem Geschäft mit Alexa wirklich?

Alexa - der Marktspion

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Die Lautsprecherbox „Alexa" des Onlinehandel-Unternehmens Amazon ist mit einem Voice-Service ausgestattet, der auf Deine Sprachbefehle antworten und durch bereits 50.000 Funktionen sowie 20.000 kompatiblen Geräten Dein Zuhause steuern kann. Ein besonderes Feature, welches Dir nicht nutzt, ist die Sprachaufzeichnung in einer Cloud, die Amazon zur Analyse Deines Kaufverhaltens zur Verfügung steht.

Der stetige Lauscher

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Was früher auf aufwendige Spionagearbeit basierte, geschieht in der heutigen Gesellschaft auf freiwilliger Basis. Alexa ist nicht nur ein Sprachassistent, sondern fungiert ebenfalls als Wanze. Nicht nur Befehle werden von ihr mit geschnitten. Das Gerät ist in der Lage persönliche Gespräche aufzunehmen, aufgrund der Reaktion auf alle Wörter, die wie „Alexa" klingen.

Zu spät gelöscht

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Es gibt die Möglichkeit, die man der Bedienungsanleitung entnehmen kann, Aufzeichnungen zu löschen. Dennoch ist es zur Sicherung der Privatsphäre zu diesem Zeitpunkt schon zu spät. Gesammelte Daten in der Cloud werden auf dem schnellsten Weg an Amazon zur Auswertung übermittelt. Mehrheitlich gehen Konsumenten mit dieser Problematik viel zu leichtfertig um.

Der Kopf hinter Amazon

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Profitieren von Alexa tut vor allem er: Jeff Bezos. In den 90er Jahren erkannte er wie Mark Zuckerberg das Potential, welches in dem aufkommenden Internet steckte. Innerhalb von 25 Jahren machte er seine unbedeutende Firma zum weltweit größten Online-Kaufhaus und erwirtschaftete bis heute ein Vermögen von 150 Milliarden US-Dollar.

Der Arbeitgeber

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Amazons Mitarbeiter haben nur wenig von dem weltweiten Erfolg. Etliche Berichte über schlechte Löhne, Überwachung am Arbeitsplatz und Steuerzahlungsverweigerung schafften es ans Tageslicht. Dennoch konnte Amazon durch lukrative und unschlagbare Angebote diese Fakten in den Köpfen der Konsumenten verdrängen. Kurze Zeit nach Aufdeckung der Skandale, wurden sie als Sensation beiseite gelegt.

Amazon-Web-Service

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Amazon ist dennoch nicht nur ein riesiges Onlinekaufhaus und schlechter Arbeitgeber, sondern bietet auch unterschiedlichste Dienste für Privatpersonen und Unternehmen. Zur Einsparung von Kosten hat sich der Amazon-Web-Service für DAX-Unternehmen zur Verlegung ihrer IT-Strukturen bewehrt. Was diese Unternehmen nicht beachten? Amazon hat die Chance auf interne Ideen der Nutzer des Services zuzugreifen.

Optimierung und Patent

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Bei erneuter Fokussierung auf Sprachassistenten, wird ersichtlich, dass nicht nur Amazon sich dieser Technologie bedient. Die Unternehmen Apple und Google arbeiten ebenfalls an der Optimierung ihrer Systeme. Patent bekam hingegen Alexa, für die Erkennung einer Erkältung auf Grundlage der Auswertung der Sprachbefehle der betreffenden Person. Dazu kommt der Vorschlag eines passenden Medikaments.

Der Digitalisierung zum Dank

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Mit dem Zeitalter des Internets eröffnete man der Menschheit völlig neue Möglichkeiten. Das Internet ist ein separater Raum in unserer Gesellschaft, daher gibt es nur wenige spezifische Regelungen. Da Amazon ungehindert eine Entwicklung zum Marktmonopol beschreitet, scheint dieser Raum ein fast rechtsfreier Ort zu sein, in dem beispielsweise Kartellämter nicht einschreiten.

Komfort vor Freiheitsrechte

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Bei Betrachtung der Funktion eines Marktes, ist ersichtlich, dass dieser auf der Basis von „Angebot und Nachfrage" floriert. Entzieht man dem Markt die Nachfrage, dann erlischt das Angebot. Anstelle des Verzichtes auf moderne Spionagegeräte geben Konsumenten ihre Freiheitsrechte für vermeintlichen Komfort. Sie bieten Amazon die nötige Nachfrage um ungehindert das Angebot auszuweiten.

Was kannst du verändern?

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Um diese Entwicklung aufzuhalten und eine digitalisierte Welt von morgen besser zu gestalten, kannst Du Dich dazu angehalten fühlen, zu handeln. Jeder der sein Konsumverhalten kritisch betrachtet und bewusst seine Nachfrage Amazon gegenüber entzieht, kann etwas bewegen. Bei 300 Millionen Kundenprofilen erscheinst Du vergleichsweise klein zu sein, doch wer sich beteiligt, ist ein teil der Veränderung.